Persönliche Betrachtungen zu unserem Start-Termin in Wien
Von der Apokalypse direkt zum Fest der Möglichkeiten
Das war schon ein besonderer Moment: Nach zwei Jahren Vorbereitung konnten wir am 19. Juni endlich unsere Mitmach-Plattform wiewollenwirleben.at präsentieren und mit 60 Menschen einen ersten Zukunftsdialog führen. Meine Betrachtungen dazu reichen vom Abend zuvor bis zum Abend danach.
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Einerseits: Schauen auf die Apokalypse
Der Gegensatz hätte stärker kaum sein können. Am Abend vor unserer ersten Präsentation besuchte ich eine Debatte der Wiener Festwochen, die ihre Zentrale heuer auf dem Badeschiff am Ufer des Donaukanals hatte. Dem Titel „The End of the World“ wurde die Diskussion mehr als gerecht. Nach rund zwei Stunden war mir klargemacht worden, dass es nicht mehr um das Ob sondern nur mehr um das Wann der Auslöschung des Spezies Mensch ginge. Immerhin verwies die mitdiskutierende Psychotherapeutin darauf, wie wichtig es sei, mit den Menschen über ihre Ängste ins Gespräch zu kommen, darauf zu achten, die eigene Handlungsfähigkeit in seinem Leben zu bewahren, seinen wirklichen Bedürfnissen nach Begegnung, Leichtigkeit und Freude am Tun zu folgen. Draußen vor dem Badeschiff schnappte ich nach Luft. Ging zurück durch das vor Lebensfreude prallvolle, hochsommerliche Wien. Und freute mich auf unsere Auftakt-Veranstaltung, die ich mir an diesem Abend als Kontrastprogramm zum eben Erlebten imaginierte, als gemeinsames Fest der Möglichkeiten.
Andererseits: Schauen auf Möglichkeiten
Daß es tags darauf, am 19. Juni, tatsächlich genau dazu kam, bestätigte unser Gründungsquartett (Harald Koisser, Doris Raßhofer, Diethold Schaar und Harald Schellander) darin, mit der Frage „Wie wollen wir leben?“ auf dem richtigen Dampfer unterwegs zu sein. Unsere Anlegestelle war der Markhof im dritten Bezirk, dessen lichtdurchfluteten Räumlichkeiten uns Stefan Leitner-Sidl großzügiger Weise zur Verfügung gestellt hatte. Nach der Präsentation unserer Plattform und ihrer Inhalte nahm das Schiff richtig Fahrt auf, als die Teilnehmenden sich in kleinen Gruppen mit unserer Wunderfrage zu beschäftigten begannen. Die Zeit zum Dialog war auch wegen der herrschenden Temperaturen knapp bemessen, doch der Qualität der Essenzen, die vorgestellt wurden, tat das keinen Abbruch (siehe Beitrag).
Für alle, die dabei waren, und erst recht für uns vier Initiatoren, wurde klar: Es braucht viele solcher Räume, in denen wir uns vertrauensvoll begegnen können, einander zugewandt mit großen Ohren und Herzen. Am wichtigsten dafür sind, wie Alfred Strigl launig präsentierte, der Wolfgang und die Sandra und die Martina und der Moritz und … DU!
Am Abend nach dem erfolgreichen Auftakt packten wir die Reste des Buffets zusammen und beschlossen, im Stadtpark ein Picknick zu machen. Bei Erdbeeren, Käse und Brot schauten wir dankbar auf das, was war und hoffnungsfroh auf das, was jetzt kommen darf. Auf der nahen Brücke über den Wienfluss tanzten Pärchen zu Tangomusik. Zumindest in diesem Moment brauchten wir das gute Leben nicht mehr suchen. Es war einfach da.
Und: Schauen, was seither geschah
Schon an diesem Nachmittag in Wien entstanden erste Kooperationen. Wolfgang Schaffer berichtete, dass einige Teilnehmende ein Musikprojekt starten wollen. Mit anderen haben wir uns schon (oder werden wir uns noch) treffen, um Ideen und Aktionen zu besprechen.
Und es kommen schon die ersten Geschichten über eine Zukunft, in der wir dabei sein wollen. chreib’ uns doch auch deine
Nach der Veranstaltung erreichten uns ermutigende Zuschriften von Menschen, die bereits aktiv geworden sind. Otto Frühbauer hat zum Beispiel die Initiative Brainpower gegründet. Damit will er Menschen angesichts der sich rasant entwickelnden Künstlichen Intelligenz dabei unterstützen, ihre kognitiven Kompetenzen wieder zurückzugewinnen oder deutlich zu steigern – also Merkfähigkeit, Denkstruktur, Urteilskraft, Orientierung, Kreativität und mentale Souveränität.
Gerhard Wohlgang Koller sandte an das „engagierte Kleeblatt“ (wie er uns bezeichnet) eine Reihe von Beiträgen, zum Beispiel über die Friedensgärten und einen Dialog im Schloss Goldegg namens Demokratie-Tisch (bereits im Terminkalender).
Julia de Geus fühlte sich bei unserem Auftakt „pudelwohl“ und „zuhause“. Sie betreibt im Wienerwald eine Dialogakademie und bietet an, ihr Seminarhaus Klein Meran auch gerne als Ort für Treffen zu Themen unseres Projekts zur Verfügung zu stellen.
Und es kommen auch schon die ersten Beiträge über eine gute Zukunft für alle. Schreib’ uns gerne auch DEINE Geschichte.
Online Dialog am 25. Juni
So voller Engagement und Offenheit ging es auch in unserem ersten Online-Dialog am 25. Juni weiter, der unter anderem von dem Thema geprägt war, wie wir Menschenwürde aktiv leben können. Antworten waren zum Beispiel: „Es fängt bei mir selbst an“, oder „Investieren wir in zwischenmenschliche Beziehungen“ oder „Laden wir dazu ein, den Weg gemeinsam zu gehen“.
Einladungen wurden auch gleich zahlreich ausgesprochen, etwa zum Runden Tisch im Garten von Roswitha Pietrowski oder zur Besichtigung des Earthships am Wachsenberg in Kärnten, wo Alexandra Margarita Sacher Santana ein Permakulturlabor betreibt. Einmal mehr zeigte sich, dass auch Online-Treffen wohltuend und stärkend sein können, wenn wir einander den Raum zum Sprechen und Zuhören geben … und auch der Stille zwischendurch.
Der Schubs
Nütze unsere Plattform mit ihren vielen Einstiegsmöglichketen zum Reden und Tun online und offline. Teile den Link www.wiewollenwirleben.at gerne in deinem Netzwerk! Und schreibe uns, wozu du angeregt wurdest.