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Österreich jung machen

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Foto: Canva/Africa Image

Wahlen sind ein guter Indikator dafür, welche Bevölkerungsgruppen wichtig sind. Auf den Plakaten sieht man ältere Menschen, Familien und Frauen. Jugendliche unter 16 sind nicht wahlberechtigt und dementsprechend uninteressant. Wahlberechtigt unter 25 Jahren sind rund 650.000 Personen. Pensionistinnen und Pensionisten über 65  stellen 1,72 Millionen Wahlberechtigte. An ihren Bedürfnissen werden sich die Programme der Parteien orientieren. Das Magazin profil bezeichnete die Pensionisten in einer Titelgeschichte als „die mächtigste Lobby Österreichs“ und beschrieb „Die Angst der Politik vor den Pensionisten“.

In dem Artikel wird der ehemalige deutsche Bundespräsident Roman Herzog mit einer bemerkenswerten Aussage zitiert: „Wir sehen die Vorboten einer Rentnerdemokratie, in der die Älteren die Jüngeren ausplündern werden“.

Der deutsche Soziologe Harald Welzer, der sich wissenschaftlich mit dem Zusammenleben der Menschen beschäftigt, legt nach: „Eine Gesellschaft, die den nachrückenden Generationen nicht dieselben Chancen einräumt, die amtierende Generationen hatten und haben, gerät politisch in massive Schwierigkeiten“.

Minderheit ohne Schutz

Jugendliche in Österreich sind im Vergleich zu anderen Ländern gut organisiert; man trifft sich regelmäßig bei den Pfadfindern, dem Alpenverein, dem Jugend-Rotkreuz, bei Sportvereinen, oder in den Schülerorganisationen der Parteien, in der Gewerkschaftsjugend und den religiösen Jugendverbänden. Im Verbund mit Schule, Familie und Freundeskreisen lernt man so die vermeintlichen Regeln des Zusammenlebens und bekommt die Wichtigkeit von Organisationen in unserem Land vermittelt. Hier beginnt der Aufbau von Netzwerken, die spätere Karrieren bestimmen. Das war OK so lange am Horizont für (fast) alle erfreuliche Perspektiven zu sehen waren.

„Die junge Generation, die demnächst Verantwortung übernehmen soll, ist eine Minderheit, deren Lebensrealität geprägt ist von Bildungsungleichheit, Dauerkrisen und dem stetigen Gefühl, politisch und gesellschaftlich übersehen zu werden“, schreibt Aladin El-Mafaalani in seinem Buch „Kinder – Minderheit ohne Schutz“ über das Aufwachsen in der alternden Gesellschaft. El-Mafaalani forscht als Bildungs- und Erziehungswissenschaftler an der Technischen Universität in Dortmund.

Wenn Jugendliche heute in ihren Jugendorganisationen Redewettbewerbe über den Nutzen der EU abhalten sollen oder in Jugendräten über das Aufstellen von Pizzaautomaten in ihrer Gemeinde abstimmen dürfen, dann ist das purer Zynismus. Oder wie es die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer formuliert: „Erwachsene haben entschieden: Kinder müssen eigentlich erst 15 Jahre abwarten, bis sie mitmachen dürfen.“

Während die junge Generation mit Pseudo-Aktivitäten beschäftigt wird, fahren die Erwachsenen die Welt an die Wand. Da darf man sich nicht wundern, wenn die Kids der etablierten Politik den Rücken zuwenden und sich zunehmend zu den politischen Rändern hin orientieren. Verstärkt wird die Entwicklung durch die wachsende Abhängigkeit von digitalen Plattformen, von Algorithmen und künstlicher Intelligenz. „Die Bildung kritischer und urteilsfähiger Bürger:innen wird leichthändig an die Social-Media-Plattformen abgegeben“, so Harald Welzer.

Ausnahmezustand als Normalzustand

In welchen Spannungsfeldern Jugendliche heute aufwachsen, zeigt sich am Beispiel der in den Jahren 2007/2008 Geborenen. Ihre prägenden Jahre sind durchsetzt mit allen gesellschaftlichen Krisen und Veränderungen der Gegenwart. In ihrer Volksschulzeit waren sie vielfach direkt konfrontiert mit der Flüchtlingskrise und neuen Mitschülerinnen und Mitschülern, was bei Betroffenen zu starker Polarisierung führte. Mit dem Aufkommen von FridaysForFuture wurde der Generation die Klimakrise erst so richtig bewusst. 2020 folgte die Pandemie und als vorläufiger Schlusspunkt der Ukraine-Krieg mit nachfolgenden Diskussionen über Wehrpflicht und mögliche Kriegsszenarien in Europa.

Für diese Generation „ist der Ausnahemezustand ein Normalzustand“, hält El-Mafaalani fest. Und bezeichnend sei auch, dass dies erstmals diese ganze Generation betreffe, egal ob sie in Armut oder Wohlstand oder in der Mittelklasse aufgewachsen sind.

„Niemand macht Zukunftspolitik für Kinder und Jugendliche, die mittlerweile die diskriminierteste Minderheit sind“, empört sich Luisa Neubauer und setzt mahnend nach: „Keine Kinder, keine Zukunft.“

Für sie ist klar. „Die jungen und die künftigen Generationen brauchen eine institutionalisierte Beteiligung im demokratischen Prozess, weil das für die ganze Gesellschaft wichtig ist.“

 

Persönliche Anmerkung (Diethold)

Als Mitinhaber des Landhotel Yspertal beobachte ich die oben beschriebene Entwicklung seit Langem und mit zunehmender Sorge. Ich habe deshalb vor einiger Zeit das Projekt „Österreich jung machen“ gestartet und arbeite daran ein relevantes Forum junger Menschen aufzubauen, das – als Ergänzung zu den bestehenden Jugendorganisationen – die Stimme der Jungen in Österreich stärkt. Ohne ideologische, religiöse oder inhaltliche Festlegung.

 

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