Vero.nika Bauhofer über das Projekt „Österreich jung machen“
„Ich will in einer generationengerechten Welt leben“
Geringschätzung statt Wertschätzung erleben junge Menschen heute, wenn sie aktiv Lösungen zu den aktuellen Krisen beitragen wollen. Begegnungen auf Augenhöhe gibt es selten.
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Das derzeitige System funktioniert so, dass Politiker:innen kaum Wähler:innenstimmen generieren, wenn sie sich für eine lebenswerte Zukunft der Jüngsten oder für allgemeine Generationengerechtigkeit einsetzen. Deshalb richten sie ihre Aufmerksamkeit auf die Interessen von Menschen, die schon länger auf der Erde leben, um möglichst große Wahlerfolge zu erzielen. Daraus resultiert seit Jahrzehnten ein enormes Interessens-Ungleichgewicht- Genauer gesagt: eine Diskriminierung der nächsten Generationen, die kaum mitbestimmen dürfen, obwohl sie, langfristig die Konsequenzen, von heute kurzfristig gedachten Entscheidungen, zu tragen haben werden.
Das Ergebnis der Ö3 Jugendstudie 2025 zeigt, dass das Interesse von 77 Prozent der jungen Menschen an Politik und politischen Prozessen hoch ist. Von ihnen vertreten fühlen sich jedoch nur 22 Prozent. Die Studie zeigt weiter, dass jede:r Vierte der GenZ eine schlechte psychische Verfassung aufweist. Die Jugend leidet darunter, nicht gehört und ernst genommen zu werden. Für die Forschenden stellt das ein systemisches Problem dar: das Verwahrlosen-Lassen einer Generation.
Ein neues Zusammenspiel der Generationen
An der Stelle schmerzt es mich oft, dass die politischen Antworten auf zahlreiche, kraftvolle Jugendinitiativen der letzten Jahre, wie zum Beispiel FridaysForFuture und Letzte Generation, Ignoranz, gebrochene Versprechen und Strafen waren. Statt die innovativen Impulse und kreativen Lösungen wertzuschätzen, die junge Menschen einbringen, um den Herausforderungen der aktuellen Zeit zu begegnen, werden sie zurückgedrängt. Nur selten wird ihnen auf Augenhöhe begegnet und werden ihre Ideen ernstgenommen. Nur selten werden sie überhaupt nach ihrer Meinung gefragt und ihnen Raum gegeben, frei zu forschen und am stetigen Wandel mitzuwirken.
Dabei trage ich in mir das Wissen, dass es auch so anders sein könnte. Dass ein Riesenpotenzial darin schlummert, die unterschiedlichen Ressourcen der verschiedenen Generationen zusammen zu führen. Darin spielen junge Menschen eine essenzielle Rolle, weil sie die Fähigkeit haben, Gegebenes zu hinterfragen und noch nicht so in Strukturen festgefahren sind, wie Menschen, die schon länger auf dieser Welt leben. Gleichzeitig brauchen die jungen Visionen und Ideen unbedingt auch die Kenntnisse und Ressourcen, von ihren Vorgänger:innen, um der aktuellen Weltsituation zu begegnen und enkelfeindliche Systeme aufzubrechen.
Plattform der "Jugenhochkultur"
Das Projekt „Österreich jung machen“ setzt hoffnungsvoll da an, wo die Zukunft und Ansichten junger Menschen auf der politischen Entscheidungsebene unzulänglich berücksichtigt werden. Und es basiert auf dem Ansatz von Ressourcenvereinigung. Diethold Schaar bietet mit dem Landhotel Yspertal Raum, Rahmen, Mittel und lädt junge Menschen ein, dort ein junges Forum zu gründen – Nährboden, um ihre Stimme zu erheben. Und nicht nur zum Wohl ihrer selbst, sondern für die gesamte Gesellschaft.
Ziel ist es, junge Menschen zu vernetzen und sie zu ermutigen, eine Plattform der „Jugendhochkultur“ (so nennt Simon Marian Hoffmann in seinem Buch „Aufstand der Jugend“ den Raum, den eine Kultur der Jugend zuspricht, um die Transformation der Gesellschaft vorzubereiten) zu bauen. Dabei spielt auch die Frage „Wie will ich leben?“ eine essenzielle Rolle.
Ein zentrales Element des Projekts ist die Kultur des Zuhörens. Aufmerksames, präsentes Zuhören und das flexible Verstehen und Einnehmen unterschiedlicher Standpunkt und Erleben sind für mich unumgänglich für ein generationengerechtes Miteinander. Daran knüpft auch die Wichtigkeit, dass Entscheidungsträger:innen den jungen Menschen mit ihren Änderungsimpulsen zuhören und diese ernst nehmen. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass die Jungen das Neue auf die Welt bringen und wir alle, in einer Welt ständiger Veränderung, davon profitieren, wenn der Jugend ermöglicht wird, Verantwortung für die Gestaltung der Gesellschaft zu übernehmen.
Ich will in einer generationengerechten Welt leben, in der die Jugend ein Recht auf Mitbestimmung für ihre Zukunft hat. Eine Welt in der die Qualitäten, die junge Menschen mitbringen, wertgeschätzt und gefragt werden.
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Vero.nika Bauhofer (sie/ihr) hat ein Jahr lang mitgeholfen das Projekt „Österreich jung machen“ in die Welt zu bringen. Daneben ist sie spielerisch-verkörperte Impulsgeberin und aktuell begeistert von biologischem Gemüsebau, Tanz und Authentizität. In ihrem Studium für Landschaftsplanung und -architektur versucht sie Urbanität, Partizipation und Natur in Verbindung zu setzen.