Wie wollen wir wirtschaften?
„Es braucht die optimale Betriebsgröße“
Gespräch mit Erika Geier von der Bäckerei Geier über umsichtiges Wachstum und wieviel davon notwendig ist
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Was macht Euer gutes Wirtschaften aus?
Unser Kern ist die Region. Wir fokussieren uns auf die lokale Rohstoffbeschaffung seit dem Jahr 2000. Wir sind im Weinviertel in einer Region, die 5% von Österreich ausmacht, aber 31% des österreichischen Getreides wachsen hier. Wir nutzen das, was vor unserer Haustür liegt. Und wir stellen mehr und mehr auf Bio um. Wir sind ein Handwerksbetrieb und wollen das auch bleiben.
Wieviel Handwerk steckt denn in Euren Backwaren?
Dort, wo Handarbeit überhaupt keinen Sinn mehr macht, gibt es auch keine bei uns. Nur weil’s romantisch wirkt, muss der Bäcker nicht jedes Brot mit der Schaufel aus dem Ofen ziehen. Aber dort, wo wir einen qualitativen oder einen ernährungsphysiologischen Vorteil sehen, dort arbeiten wir von Hand.
Fühlt Ihr Euch verpflichtet, neue Dinge zu machen, Innovationen zu setzen?
Wir machen Trends mit, die zu uns passen. Sauerteigbrote mit großen Poren, die aktuell alle lieben, die haben eigentlich nichts mit der klassischen österreichischen Brotkultur zu tun. Das kommt aus dem mediterranen Raum. Aber das machen wir. Wenn wir Produkte übernehmen, die nicht regionaltypisch sind, schauen wir, dass wir das mit regionalen Rohstoffen realisieren können. Für ein knuspriges Baguette muss man ja nicht französisches Mehl importieren.
Hat das „gute Wirtschaften“ mit der Betriebsgröße zu tun?
Wir haben 420 Mitarbeitende, weil wir ja an den Standorten Verkauf und Gastronomie haben. Sehr personalintensiv. Damit sind wir nicht mehr klein, aber noch lange kein Konzern. Das wäre knifflig. Es ist immer ein Unterschied, ob ein Betrieb noch eigentümergeführt ist oder nicht. Manager in Konzernen konzentrieren sich nicht auf Langfristigkeit. So wie Parteien in einer Demokratie nur bis zum nächsten Wahltag denken, wollen Manager vor allem ihren Job behalten oder Karriere machen. Daraus ergibt sich die Qualität der Entscheidungen.
Ihr habt also den Wunsch, dass die Kinder den Betrieb übernehmen?
Erzwingen kannst du sowas nicht. Wir haben Ihnen jetzt ein zeitliches Limit gesetzt, in dem sie sich entscheiden dürfen. Müssen tun sie nicht. Die Zeiten, wo man als Eltern Druck ausübt, sind vorbei.
Wie würde sich dann ein gutes Familienunternehmen entscheiden, wenn die Kinder „nein“ sagen? Doch an einem Konzern verkaufen?
Die Frage ist immer, wo fängt jetzt ein Konzern an? Noch ist es in Österreich so, dass viele größere Unternehmen von Familien geführt sind und nicht von Aktionären. Und wir haben ja auch gute Mitarbeiter und bauen gute Mitarbeiter auf.
Wie organisiert Ihr die Gehälter? Wie fair seid Ihr da?
Ähnliche Positionen mit ähnlicher Verantwortung werden gleich bezahlt. Das muss zusammenpassen und das muss Sinn machen. Ganz wichtig ist mir, dass Frauen gleich bezahlt werden. Und bei besserer Qualifikation, bekommt die Frau den Job. So nebenbei: ich habe den Verdacht, dass es da eine Überregulation gibt, die Frauen fast schon benachteiligt.
Würdest du sagen, dass es bei guten Wirtschaften darum geht, den Menschen ein Produkt zu geben, das einen gewissen Wert hat?
Wir machen Brot. Besser geht’s nicht. Wir erzeugen ein Produkt, das uns gut tut. Da kann man auch über Ernährung und Gesundheit reden. In Brot steckt einfach Tradition und Mythos drin. Wenn wir Leute einstellen, kommen wir manchmal ins Plaudern. Da sind einige, die sich wirklich in dem Beruf des Bäckers gefunden haben. Es gibt auch welche, die in den Beruf hineingerutscht sind. Manche sagen auch, sie wollen mit den Händen arbeiten. Irgendeinen Bezug zu dem Produkt und zur Tätigkeit sollte man für sich finden, dann ist alles einfacher
Wieviel Wachstum braucht Ihr denn?
Qualitatives Wachstum brauchen wir immer. Wir wachsen auch quantitativ. Wir sind bisher langsam und bedacht mit ein bis zwei Standorten pro Jahr gewachsen und möchten das auch weiterhin, wenn es sich ergibt. Wir haben dafür die Regionen eingegrenzt, um die Lieferwege kurz zu halten.
Seit wann wachst Ihr denn?
Das hat erst in unserer Generation begonnen. Auch deshalb, weil wir Betriebe übernommen haben, wo kein Nachfolger gefunden worden ist.
Warum Wachstum?
Wir sind auf der Suche nach der optimalen Betriebsgröße. Da geht es um Lebensqualität für alle. Wir wollen sinnvolle Arbeitszeiten anbieten können. Bäckereien haben hierzulande eine 6-Tage-Woche. Wir aber haben in der Produktion eine 5-Tage-Woche. Das ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Da braucht es Augenmerk auf Qualitätssicherung. Man hat mehr Menschen an selben Positionen, weil ja die Arbeit aufgeteilt werden muss, und diese Schnittstellen sind heikel. Erst eine bestimmte Betriebsgröße macht das möglich.
Wir sitzen hier in einem modernen Betriebsgebäude.
Das ist auch nur möglich geworden durch Wachstum. Jetzt haben wir sehr effiziente Arbeitswege und viel weniger CO2-Ausstoß als am alten Betriebsstandort. Wir haben hier Platz für neue Technologien – Wärmerückgewinnung, Photovoltaik. Unser Workflow findet jetzt auf einer einzigen Ebene statt. Es braucht solche Voraussetzungen auch, um Mitarbeiter zu bekommen.
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