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Zukunftseuphorie jetzt

Die Zukunft ist jung

Die Menschen verhalten sich zu ihrer Zukunft hoffend, sehnend, fantasierend und ja, auch fürchtend. Wir heutigen Menschen tragen Zukunft in uns. Dabei ist der Gedanke an die Zukunft relativ jung.

Wer bestimmt, auf welchen Zukunftsknopf wir drücken?

Die Idee einer „Zukunft“ ist gar nicht so alt. Den Großteil der Menschheitsgeschichte haben die Menschen ihr Leben im Hier und Jetzt verbracht. Der Scheinwerfer, der vom aktuellen Standpunkt aus die Vergangenheit und die Zukunft ausleuchtet, hatte eine Strahlkraft, die dahin reichte: Wo werden wir morgen schlafen? Wo werden wir Nahrung finden? Was ist zu tun?

He, WIR sind es, die Zukunft gestalten können

Die Idee von der Verfügbarkeit von Welt und Zeit ist erstmals in der griechischen Antike aufgekommen. Plötzlich hatten die Menschen die Muße, um Utopien zu spinnen. Sie kamen auf den Gedanken, dass vielleicht doch nicht bloß Naturgewalten und Göttergestalten den Weltenlauf bestimmen. Der Mensch selbst fühlte sich berufen, Zukunft zu denken.

Renaissance heißt Wiedergeburt: der Mensch entdeckt sich neu

Damit war dann im europäischen Katholizismus und Protestantismus wieder Schluss. Die Welt wurde als determiniert betrachtet. Jeder sollte an seinem Platz bleiben und keine kühnen Visionen von sich und einer Zukunft haben. Angesichts eines allmächtigen Gottes, der alles vorherbestimmt hatte, waren Zukunftsideen Anmaßung. Die Renaissance brach dann wieder damit und der Mensch durfte sein Ich ins Zentrum rücken. Dürer malte sich selbst in einer Christus-Pose, Brunelleschi baute eine unglaubliche Kuppel im Dom von Florenz, die göttliche Gesetze herausforderte. Die Renaissance brachte die Idee, dass der Mensch sich entfalten kann.

Zukunft mit dem Turbo der Industriellen Revolution

400 Jahre später, in der Aufklärung (18. Jahrhundert) setzte eine bis dahin nicht dagewesene Zukunftseuphorie ein. Der Mensch hatte „den Ausgang aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ (Immanuel Kant) gefunden. Während der Turbo der industriellen Revolution zündete, kam eine Welle der Romantik (Ende 18.) und des Biedermeier (Anfang 19. Jahrhundert) mit einer Verkitschung und Rückwärtsbesinnung des Lebens. Die Sagenwelt des Mittelalters wurde en vogue, eine gute alte Zeit wurde beschworen. Aber der Mensch hatte sich bereits Zukunft angeeignet. Die Maschinen eroberten die Welt. Zukunft wurde zu einem Furor wilden Fortschritts, von unglaublichen Erfindungen und von der Erde als Untertan.

Wir sind die Zukunft

Und heute? Ein Teil der westlichen Bevölkerung scheint der Zukunft ein wenig müde geworden zu sein. Sie ist nicht mehr Sehnsuchtsort, sondern irgendwie – kompliziert. Vereinigungen wie „Fridays For Future“ kämpfen um sie, weil sie sich um ihre Zukunft betrogen fühlen. Weil sie Zukunft haben wollen. Die Zukunftseuphorie ist hier als Überlebenskampf zu verstehen. „Wir brauchen einen neuen Blick auf die Zukunft“, sagt Dipesh Chakrabarty und warnt davor, dass Dissens, Protest und Meinungsverschiedenheit absterben. Genau das wären aber die Kernelemente jeder Demokratie – und Zukunftsgestaltung. Wir sind als Menschheit den Weg in diese Gestaltungsfreiheit gegangen und dürfen diese Kraft nun hüten. Wir sind die Zukunft. Die Frage ist heute nicht, OB es eine Zukunft gibt, sondern wer sie definiert.

Und was meinst Du?

Ist Zukunft etwas, was wir in der Hand haben? Wir als Kollektiv? Du als Einzelperson? Schreib uns. Wir veröffentlichen Beiträge unserer Community.

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