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Die Oper „Der Rosenkavalier“ - eine Lektion in Loslassen

Die Zeit, die ist ein sonderbares Ding

Nirgendwo wird (für mich) schöner über das Wesen des Alterns und der Zeit gesungen als in der Oper „Der Rosenkavalier“. Eine in Musik gegossen Reflexion über das Leben, die zu Herzen geht.

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Der Komponist Richard Strauss und der Autor Hugo von Hoffmannsthal haben gemeinsam Gesamtkunstwerke geschaffen, die zum Außergewöhnlichsten im Musiktheater gehören. Nach ihrerer ersten Zusammenarbeit für die hochdramatische und innovative  „Elektra (1909 uraufgeführt), kam etwas überraschend Anderes: „Der „Rosenkavalier“ (1911), eine Komödie für Musik in drei Aufzügen.

Wie es mit guten Komödien so ist, sind das Lachen und das Weinen nah beieinander. Auf die inhaltlichen Details des umfangreichen Werkes (eine Aufführung mit zwei Pausen dauert gut vier Stunden) verzichte ich hier. Nur soviel: Die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg hat eine Nacht mit ihrem jungen Geliebten Octavian verbracht, den sie, wie sie ahnt, bald an eine jüngere Frau verlieren wird. Das Scheinwerferlicht richte ich nun auf das Finale des ersten Aktes. Melancholisch sinniert die Feldmarschallin über die Vergänglichkeit des Lebens. Wie sie mit dieser Situation kämpft – von Wut über Sarkasmus und Wehleidigkeit bis zu Demut und Leichtigkeit – lohnt sich zu lesen, zu hören und zu sehen.

Alles zergeht, wie Dunst und Traum ,,,

Hier ist ein Ausschnitt aus dem Text von Hugo von Hoffmannsthal:

… Mir ist zumut, daß ich die Schwäche von allem Zeitlichen recht spüren muß, bis in mein Herz hinein: wie man nichts halten soll, wie man nichts packen kann, wie alles zerlauft zwischen den Fingern, alles sich auflöst, wonach wir greifen, alles zergeht, wie Dunst und Traum …

… Die Zeit, die ist ein sonderbares Ding. Wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts. Aber dann auf einmal, da spürt man nichts als sie: sie ist um uns herum, sie ist auch in uns drinnen. In den Gesichtern rieselt sie, im Spiegel da rieselt sie, in meinen Schläfen fließt sie. Und zwischen mir und dir da fließt sie wieder. Lautlos, wie eine Sanduhr …

Manchmal hör ich sie fließen unaufhaltsam. Manchmal steh ich auf, mitten in der Nacht, und laß die Uhren alle stehen… Allein man muß sich auch vor ihr nicht fürchten. Auch sie ist ein Geschöpf des Vaters, der uns alle geschaffen hat …

… Heut oder morgen geht Er hin, und gibt mich auf um einer andern willen, die jünger und schöner ist als ich.

…. Heut oder morgen oder den übernächsten Tag. Nicht quälen will ich dich, mein Schatz. Ich sag‘ was wahr ist, sag’s zu mir so gut als wie zu dir. Leicht will ich’s machen dir und mir. Leicht muss man sein, mit leichtem Herz und leichten Händen halten und nehmen, halten und lassen . . . Die nicht so sind, die straft das Leben, und Gott erbarmt sich ihrer nicht.

Der Schubs

In welchem Stadium des Zeit-Erlebens bist du gerade: Lebst du so hinein in den Tag? Oder spürst du die Zeit und nichts als sie? Oder irgendetwas dazwischen? Und wie gelingt es dir, auch in herausfordernden Zeiten loszulassen?

Wenn du Zeit hast, schreibe mir über die Kommentarfunktion am Ende des Beitrags.

In diesem Video von einer Aufführung am Opernhaus Zürich aus dem Jahr 2025 ist Diana Damrau in dem Monolog der Feldmarschallin zu erleben.

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