Das gute Leben [Philosophien vom guten Leben, Teil 2]
Die Fähigkeit zur Kooperation
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Tiere können kooperieren. Sie können sich zu Rudeln zusammenschließen, gemeinsam jagen und damit größere Tiere erlegen als sie es ganz alleine könnten, und sie können auch stärkeren Tieren Futter abjagen. Arbeiterbienen versorgen scheinbar selbstlos die Brut der Königin, die als einzige brüten darf. Wanderratten tauschen Futter gegen Körperpflege. Dabei geben sie eine Nuss ab, und erhalten später einmal dafür Fellpflege. Vampirfledermäuse müssen jede Nacht ein Säugetier anzapfen, um zu überleben. Das gelingt aber nicht immer. Dann helfen die Freunde aus, indem sie Blut aus ihren Mägen hochwürgen und die Hungrigen tränken. Warum machen Tiere das? Weil es sich für das Überleben von allen auszahlt! Es ist eine biologische Grundlage. „Das oberstes biologische Prinzip ist die Kooperation“, sagt Joachim Bauer, „der Kampf steht in deren Diensten.“ Nicht nur Tiere kooperieren. Das ganze System des Lebens scheint auf ein Miteinander aufgebaut zu sein. Wird ein Baum von einem Schädling befallen, gibt er Signalstoffe ab, die bei anderen Bäumen eine Reaktion auslösen, die vor dem Schädling schützt.
Wenn wir heute beim Menschen entzückt sind von Altruismus, ist das also keine menschliche Errungenschaft, sondern eine ebenso grundlegende natürliche Anlage wie das weniger sympathisch erscheinende „Recht“ des Stärkeren (siehe Text dazu). Wir Menschen als Säugetiere sind zutiefst soziale Wesen und haben die Kooperation perfektioniert. Als Einzelwesen sind wir sehr schwach, aber wir kooperieren so gut, dass wir als einzige alle Lebensräume des Planeten besiedeln und ihn dominieren können. Wir können gemeinsam ganze Landschaften und chemische Zusammensetzungen verändern, wir können Atome spalten und Tierrassen ausrotten. Wir können so agieren, dass wir diesen Planeten komplett unbewohnbar machen können, oder aber paradiesische Orte schaffen, wo trotz ungünstiger natürlicher Voraussetzungen eine Vielfalt an Lebensmittel wachsen kann. Das kann kein anderes Tier.
„Die Evolution hat uns auf halber Strecke abgesetzt. Einerseits hat sie uns mit dem Verlangen nach gelingenden Beziehungen geschaffen. Auf der anderen Seite hat sie uns jedoch nicht mit einem Automatismus ausgestattet, der uns gute Beziehungen garantiert. Hier tut sich also eine Lücke auf. Diese Lücke hat aber etwas Reizvolles, denn sie zwingt die Menschheit, sich auf einen Suchprozess zu begeben, um die Lücke zu schließen und eine menschlichere Gesellschaft zu schaffen. Dieser Suchprozess ist das, was wir Kultur nennen.“ (Joachim Bauer)
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