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Das gute Leben [Philosophien vom guten Leben, Teil 6]

Der herrschaftsfreie Diskurs

Solange miteinander reden, bis ein Konsens erzielt ist. Die Diskursethik von Jürgen Habermas

Der deutsche Philosoph Jürgen Habermas ist im März 2026 verstorben. Er hat wie kaum ein anderer den heutigen politischen Alltag geprägt hat. Er hat gewissermaßen die Basisdemokratie erfunden. Sein großes Credo war der Glaube an den vernunftgeprägten Diskurs (Platon lässt grüßen), an die Anstrengung des Arguments und die feste Überzeugung, dass sich Gesellschaften mittels Diskurs auf gemeinsame Prinzipien einigen können.

Die Habermas’sche Grundidee: Die Welt wäre zunehmend von Geld und Technik strukturiert worden, was kommunikative Akte zwischen den Menschen überflüssig gemacht habe. Man muss viele Dinge nicht mehr ausdiskutieren, man kann sie effizient mit Geld oder Technik lösen. Diese Technisierung der Lebenswelt zerstört kommunikatives Handeln und führt zur Entfremdung des Menschen von sich selbst. Die Zerstörung zwischenmenschlicher Kommunikation ist Zerstörung von Öffentlichkeit.

Die kritische Öffentlichkeit muss wieder hergestellt werden. Dazu soll eine Diskursethik befolgt werden, deren Ziel eine herrschaftsfreie Kommunikation ist. Jeder darf alles sagen, ohne eingeschränkt oder diskriminiert oder in seiner Rede abgeschnitten zu werden. „Wir unterstellen, dass zurechnungsfähige Subjekte jederzeit aus einem problematisierten Zusammenhang heraustreten und einen Diskurs aufnehmen könnten.“ (Habermas). Damit unterstellt Habermas nicht gerade wenig: nämlich dass man imstande ist, in einer schwierigen Situation aus sich heraus treten und eine Meta-Ebene einnehmen zu können, von wo aus man auf sich und sein Problem wie ein Beobachter herabschaut und vernünftig diskutiert. Die „Idealisierungsleistung“ von Habermas ist von tiefem Humanismus und dem Glauben, dass wir alle über unsere Sinne und unsere Sprache ausreichend verfügen können, getragen.

Es gilt, Argumente solange auszutauschen, bis man eine Übereinstimmung erzielt hat. „Wahrheit meint das Versprechen, einen vernünftigen Konsensus zu erzielen.“ (Habermas) Die Wahrheit liegt also dort, wo alle sich auf ein Ergebnis einigen können.

(Anm.: das ist die innerste Essenz der Habermas’schen Theorie. Ausführlicher habe ich das in einem Kapitel meines Buches „Warum es uns so schlecht geht, obwohl es uns so gut geht“ dargestellt)

Foto von Priscilla Du Preez auf Unsplash

Und was meinst Du?

Würdest Du sagen, dass Du einen „herrschaftsfreien Diskurs“ führen kannst? In der Partnerschaft, mit freunden, in Gesprächsrunden, am Stammtisch, …

Ist es überhaupt möglich, so miteinander zu reden?

Lass uns im Kommentarfeld wissen, wie Du das siehst.

Die Artikel auf dieser Webseite sind Impulse; der eigentliche Diskurs findet zwischenmenschlich statt. Schau einmal in den Terminkalender.

Du kannst im Kasten „Philosophie“ noch mehr Philosophien des guten Lebens kennenlernen. 

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