Das gute Leben [Philosophien vom guten Leben, Teil 4]
Das vernünftige Leben
Der große Platon war der erste, der im Zusammenleben von Menschen die Vernunft als Leitprinzip ins Spiel gebracht hat. Er hat zu lebenslangem Lernen angeregt.
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„Der Mensch ist doch in seiner Anlage ein vernünftiges Wesen“, meinte Platon zu einer Zeit, als die griechischen Antike vom Gegenteil durchzogen war. Es gab Tyrannen, die das Volk ausbeuteten, wer konnte, folgte seinen körperlichen Lüsten und beschäftigte sich mit Essen, Trinken und sexuellen Ausschweifungen. Das geht doch besser, dachte der Philosoph. Der Mensch soll doch bitte auf seinen Geist hören.
Aber das kann er offenbar nicht von alleine. Die als Möglichkeit in uns schlummernde Vernunft müsse daher gefördert und geweckt werden. Nur durch Erziehung, so erkannte Platon, wird der Mensch zu dem, was er ist. Vernunft ist etwas, das ist und sein soll! Sie ist das Gute schlechthin und so ist das gute Leben für ihn unbedingt das vernünftige Leben.
Er ging davon aus, dass es allen besser ginge, wenn sie die Fesseln primitiver körperlicher Notwendigkeiten abschütteln und stattdessen alle Energie in geistige Bildung investieren.
Also tat Platon etwas Großes für die bedürftigen, wissbegierigen Menschen. Er gründete 387 v.u.Z. die Akademie – benannt nach dem Hain des Akademos vor den Toren Athens – und damit die erste Universität der Welt. Ihre Schließung durch Justinian im Jahr 529 n.u.Z., also nach 900 Jahren (!) ihres Bestehens markiert den Eintritt in das europäische Mittelalter. Keine andere Schule hat je so lange bestanden.
Platon ahnte, dass sein Aufruf zur Bildung mit Hürden verbunden sein würde, wie sein berühmtes Höhlengleichnis aus dem Werk Politeia zeigt. Er erklärt darin, dass unsere Sinneswahrnehmung sich zur Wahrheit verhält wie Schatten zu ihren eigentlichen Bildern. Wir sitzen in einer Höhle, mit dem Rücken zum Eingang, und alles was draußen vor der Höhle passiert, nehmen wir nur als Schatten an der Höhlenwand wahr. Und würde uns jemand aus der Höhle an das Licht zerren, wären wir geblendet.
Der Weg zur Vernunft muss also langsam und beständig beschritten werden. Einfach lernen, lernen und damit auch als Erwachsener nicht aufhören. Wenn man sich nach und nach auf den reinen Geist verlässt, könne man das Wahre und Gute erkennen.
Platons Welt war ein hehres Streben an das Licht und eine Absage an den Hedonismus und andere Theorien der Lust. Die ganze platonische Ethik ist von großem Idealismus und Humanismus getragen und Platon ist damit gewiss einer der Pioniere unserer Zivilisation.
Und was meinst Du?
Würdest Du sagen, dass Du ein vernünftiges Leben führst?
Ist es lohnend, den Geist zu schulen, lebenslang zu lernen? Kann man mit Vernunft ein gutes Leben führen? Ginge es uns allen besser, würden wir alle Energie in Bildung investieren?
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