Das gute Leben [Philosophien vom guten Leben, Teil 1]
Das „Recht“ des Stärkeren
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Die Sache läuft recht simpel: der stärkere Hund nimmt dem Schwächeren den Knochen weg und nagt ihn schnell ab, ängstlich um sich blickend, ob nicht ein noch stärkerer Hund kommt. Ober sticht Unter. Man nimmt sich, wenn man kann. Was möglich ist, wird gemacht. Es ist der Verweis auf eine Hackordnung, in der man sehen muss, wo man bleibt. Wer oben ist, hat die Kraft, wer unten ist, braucht alternative Strategien.
Dieses Prinzip ist keineswegs Relikt einer archaischen Vergangenheit. Es wurde und wird immer noch in manchen Firmen angewandt. Auch feiert es gerade politische Konjunktur und wird uns als Weg zum guten Leben verkauft. Ein starker Mann (neuerdings steigen auch „starke“ Frauen in den Ring) soll als Deus ex machina alles zerschlagen und wohltuend neu gestalten. Politiker:innen, die solches versprechen, werden derzeit nicht abgestraft oder besachtwaltet, sondern gewählt. Sie versprechen „alles für uns“ und versprechen den Wähler:innen, dass sie zu diesem starken Wir gehören. Wir nagen die Knochen ab, die anderen haben Pech gehabt.
Und was meinst Du?
Bringt die Macht des Stärkeren ein gutes Leben? Für wen?
Ist die Macht des Stärkeren eigentlich schon eine „Philosophie des guten Lebens“? Vielleicht, indem es darum geht, selbst „stark“ zu werden, Hierarchien hinaufzuklettern, sich Vorteile zu verschaffen? Gibt es derzeit Politiker:innen, die das Recht des Stärkeren politisch umsetzen wollen?
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Ein Kommentar
Die Durchsetzung des Rechts des Stärkeren sorgt nachhaltig für großes Leid unter Menschen und verwüstet Landschaften. Es wird behauptet dass harter Konkurrenzkampf natürlich sei. Die ökologische Forschung berichtet dagegen dass Kooperationen viel häufiger sind als Konkurrenzen. Das eine Wissen kommt aus dem 19. Jahrhundert, das andere ist aktuell.
Bernard Lietaer hat sich um 2000 mit dem Wesen unseres Geldsystems beschäftigt (Mysterium Geld) indem er die Wirkung desselben auf die Menschen mit fünf Archetypen aus dem kollektiven Unterbewusstsein (C.G. Jung) verband. Die Archetypen sind der Herrscher, der Magier, der Krieger, die große Mutter und der Liebhaber. In unserem Geldsystem werden die letzten beiden Archetypen unterdrückt – sie wirken durch ihre Schattenseiten – Angst vor Verlust und unersättliche Gier.
Bernard Lietaer zeigt drei Beispiele aus der Geschichte mit archetypisch vollständigen Geldsystemen. Es sind die Tonscherbenwährung im alten Ägypten, die Brakteaten im mitteleuropäischen Mittelalter und die Arbeitsbestätigungsscheine in Wörgl um 1930.