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Wie wollen wir wirtschaften?

„Mit Menschlichkeit und Liebe“

tWarum man mit seinen Talenten einen Beitrag für alle leisten sollte. Gespräch mit Eva-Maria Pürmayer vom Hotel Bergergut

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Ein schönes Produkt - ist das schon gutes Wirtschaften?

Wie schön, hier bei Euch am Wasser zu sitzen. Glaubst du, beginnt gutes Wirtschaften mit einem guten, schönen Produkt? Weil das habt ihr ganz unbestreitbar. Da, wo wir sitzen, ist es schön. Ihr habt ein ästhetisches Produkt. Ist das schon gutes Wirtschaften?

Eva-Maria Pürmayer: Das ist eine super Frage. Eine spannende Frage. Da könnte man jetzt ausholen und philosophieren, was verstehen wir unter gut und schön. Ich glaube, das ist jetzt schon mal eine Grundsatzfrage. Das Bergergut ist ja nicht nur ein Produkt, sondern auch eine Dienstleistung. Ich glaube, es geht ja auch um die Beziehung zum eigenen Produkt. Eigentlich sollte man eine Liebe dazu haben. Ich glaube, dass unsere Wirtschaft bestimmt ist davon, etwas zu verkaufen, zu dem man kaum Beziehung hat, manchmal gar keine.

Also du würdest sagen, du brauchst als wirtschaftstreibender Mensch eine Beziehung zu deinem Produkt?

Pürmayer: Ja, da sind wir wohl gleich am Kern des guten Wirtschaftens. Leute wie Gutmann, Zotter und Rogner haben ja gut beschrieben, dass Wirtschaft wieder den Menschen dienen muss und nicht der Mensch der Wirtschaft. Ich würde da, wenn ich so darüber nachdenken jetzt noch weiter gehen: „Muss der Schöpfung dienen“, denn „nur dem Mensch“ ist wohl zu kurz gedacht, die gesamte Schöpfung ist ja unsere Basis, von Allem. Ursprünglich sind Menschen in den Austausch gegangen. Einer hat ein Produkt gehabt, das der andere brauchen konnte, und der wiederum hat etwas gehabt, was der andere brauchen konnte, und dann ist man in den Austausch gegangen. So ist Wirtschaft entstanden. Da waren die Leute im eigenen Talent, im eigenen Können, in der eigenen Liebe, und das haben sie zur Verfügung gestellt. Davon haben wir uns weit entfernt.

Und wenn ich jetzt an die Lebensmittelbranche denke, da ist die Distanz zu Obst und Gemüse und Tieren so groß, dass da keine Beziehung mehr möglich ist. Das ist ein Konzern, wo Leute im Büro sitzen. Die sehen das Kalb und das Schwein nicht auf der Weide. Da geht man dann anders damit um.

Ich verfolge den Gedanken jetzt weiter. Wenn ich einen Waffenhandel aufmache, und eine Liebe zu Maschinengewehren habe, dann bin ich auch in guter Beziehung zum Produkt. Man kann das moralisch hinterfragen, aber die Liebe wäre da. Vielleicht genügt das noch nicht. Vielleicht ist die zweite Frage des guten Wirtschaftens, welchen Beitrag ich für die Welt leiste.

Pürmayer: Wir müssen uns beim Wirtschaften mit Konsequenzen auseinanderzusetzen. Wir setzen etwas in die Welt und das hat Auswirkungen. Manchmal ist das gar nicht einschätzbar. Es gibt Komponenten, die sich verselbstständigen, Ergebnisse, die man so nicht wollte. Bei den Maschinengewehren ist es offensichtlicher als bei anderen Produkten.

Ich glaube, das war ein Spruch, den ich vor kurzem auf so einem Teebeutel gelesen habe: „Du findest den Sinn des Lebens dort, wo du mit deinen Talenten für andere einen Beitrag leisten kannst.“ Und das finde ich total auf den Punkt gebracht. Ich muss einmal schauen, wo ich eine Gabe habe und etwas besonders gut und gerne mache. Dann kann ich anderen eine Freude damit machen.

Würdest du sagen, dass du im Bergergut in diesem Sinne gut wirtschaftest?

Pürmayer: In diesem Sinne ja. Wir sind ethisch, nachhaltig, menschlich unterwegs. Ich finde es oft erschreckend, wie Menschen im Business miteinander umgehen. Menschlichkeit kostet ja kein Geld. Das ist eine Haltung. Aber ist es schon gutes Wirtschaften? Wäre ich eine klassische Ökonomin, würde ich wohl andere Kriterien aufstellen.

Wie ich als Jugendliche eingestiegen bin in die Wirtschaft und in das Studium, habe ich den Eindruck bekommen, dass Wirtschaft nichts mit Menschlichkeit zu tun hat. Im Studium habe ich gelernt „Management by“, also wie kann man führen, wie geht Führungsstil. Da gibt es ja alle möglichen Theorien. Und ich habe mir immer gedacht, irgendwie kapiere ich dieses „Management by“ nicht.

Das kann ich auswendig lernen und dann bei der nächsten Prüfung zu Papier bringen, aber führen kann ich so nicht. Ich habe mich nirgendwo gefunden. Es ist nie darum gegangen, die Persönlichkeit in dir zu entdecken. Alles wirkt doch nur von innen nach außen, dass das glaube ich sehr, sehr maßgeblich ist und nicht irgendwie, dass wir das wieder miteinander verbinden. Eigentlich geht es um Verbindung, um Verbundenheit mit allem, mit sich selber und mit der ganzen Welt.

Wie geht es Dir damit?

Ich habe mich früher dabei erwischt, zu denken, ich kann nicht wirtschaften. Das kommt aus dieser gelernten Haltung, wo es nur um Zahlen geht, wo Wirtschaft nur dauernd effizient und erfolgreich ist und alles sich vermehren muss. Ich glaube, dass das für junge Menschen, die ins Business einsteigen, nicht einfach ist. Weil sie da nur an Zahlen gemessen werden.

Obwohl es ganz ohne Zahlen nicht geht

Es bringt uns natürlich nichts, in Schönheit zu sterben. Ein Unternehmen muss wirtschaftlich erfolgreich sein. Aber wie ist der Weg und woran messen wir uns? Was sind unsere Erfolgskriterien? Muss es immer mehr, im Sinne von wirtschaftlichem Wachstum um, kommt mir vor, nahezu jeden Preis, werden? Wo soll das denn hinführen? In eine maximale Ausbeutung von Ressourcen – Umwelt und eigenen Ressourcen. Das System ist total schräg, wenn man so drüber nachdenkt.

Da schlage ich wieder die Brücke zum Anfang. Es braucht eben die Freude und die Beglückung und die Liebe an dem, was du tust. Dann kannst du nicht in die Ausbeutung gehen. 

Das Bergergut hat ja ganz viel mit Liebe zu tun. Wir sind Gaststube, Einkehr, Genießer-Restaurant und ein Hotel, vorwiegend auch für Liebespaare. Wir veredeln Zeit. Das kann ich nicht mit Ausbeutung machen. Was für ein Widerspruch das wäre. Und wenn ich in verschiedenen Meetings bin, oder im Aufsichtsrat, irgendwo außerhalb vom Bergergut, wirkt es immer so, als hätte Liebe mit Wirtschaft nichts zu tun. So etwas verändert sich nicht so schnell. Es geht ja schon darum, zu fragen, wie komme ich denn in die Liebe. Liebe kann man nicht einfach so aufsetzen oder befehlen. Liebe muss man empfinden können und die lässt sich nicht einfach behaupten oder benutzen, so wie das ganze Greenwashing und so.

Also wo beginnen mit der Liebe?

Bei mir selber. Weil das kann nur von innen nach außen gehen. Wenn ich mich selber spüre, kann ich es im Außen auch nicht spüren. Oder, wie mein Opa immer sagt und sagte, das beschäftigte mich lange: „Man kann nur geben, was man selber hat!“ Das gilt übrigens auch für Geld und wirtschaftlichen Erfolg, im positiven Sinne. Also das ist schon spannend eigentlich. Und ich habe mir immer gedacht, es wird immer so viel gesprochen im unternehmerischen Kontext, Nachhaltigkeit, Umwelt, Ressourcen schonen etc. Würden wir das umdrehen und den menschlichen Umgang, das liebevolle Miteinander mehr einbringen, dann wären wir ganz automatisch bei der Nachhaltigkeit.

Wie gelingt es im Bergergut?

Ich merke, dass wir mit unserer Leistung als Team und mit dem Haus und mit dem, was wir machen, sehr vielen Menschen wirklich Gutes tun. Die gehen hinaus und sind im besten Fall wirklich gestärkt, genährt, glücklicher, zufriedener, irgendwie erfrischter — und nehmen da echt was mit.

Das ist nicht alles nur nachhaltig und grundsätzlich schön. Wellness verbraucht Ressourcen. Aber wir leisten ein Beitrag zum Wohlergehen dafür, dass Menschen zu sich kommen, oder bei sich bleiben können, sich als Paar wieder zu finden. Es gelingt und ich hoffe auch so, dass wir finanziell gut leben können.

Ich hoffe, die Gäste spüren das, was wir wollen. Schöne Häuser mit gutem Essen und Wellnessangeboten gibt es viele. Bei uns bekommst du um Dein Geld auch einen gewissen Spirit, — Werte, die auf Menschlichkeit, Miteinander, auf Leidenschaft und – ja, Liebe! beruhen. Ich hoffe, man spürt das.

www.romantik.at

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