Resonanzraum
Menschen abholen
Bei den geomantisch-spirituellen Reisen meiner Frau kommen oft ganz unterschiedliche Charaktere zusammen. Jedes Mal aufs Neue lernen wir dabei, wie Gemeinschaft gelingen kann
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Miteinander sein für eine Woche auf einer Gruppenreise, wo es darum geht, die Seele der Landschaft wahrzunehmen. Die Gruppe ist klein, das Tempo langsam, die Orte, die wir besuchen, sind wohl ausgesucht. Die Langsamkeit und die Kraftorte führen zu Tiefe. Das wissen die Teilnehmer:innen, die unsere Reisen buchen, aber was es wirklich bedeutet, zeigt sich erst live vor Ort.
Meine Frau Veronika organisiert seit 20 Jahren solche Reisen, ich sorge seit über zehn Jahren bei manchen Reisen für Organisation, Buchung, und, wenn ich vor Ort bin, dann bin ich Fahrer des Busses, checke Routen und bin da, wenn jemand etwas braucht.
Manchmal entscheiden sich Damen, die sich nicht kennen, für eine Woche ein Doppelzimmer zu teilen. Manche buchen solche Reisen, weil es gerade heftig ist in ihrem Leben, andere wieder, weil sie Entspannung suchen. Manche buchen die Gruppe, merken aber, dass sie sehr viel Zeit alleine brauchen („muss ich dabei sein, können wir später starten?“). Manche buchen eine spirituelle Reise, finden dann aber manche Interventionen eigenartig, zeigen Ablehnung. Und all diese Menschen bilden eine Gruppe. Und wir haben den gemeinsamen Anspruch, für diese eine Woche eine Gemeinschaft zu sein. Wie gelingt das?
Menschen können auch in schwierigen Situationen das Gemeinsame sehen. Darauf vertrauen wir. Und wir tun etwas dafür. Meine Frau tut es vor allem. Sie leitet die Gruppe. Sie stellt sich auf die unterschiedlichen Lebens- und Erfahrungswelten ein. Daraus wählt sie eine Sprache, mit der sich jede Person abgeholt fühlen kann. Zumindest ist es ihre Absicht. Meist gelingt es. Selten kippt jemand dennoch immer wieder aus der Gruppe hinaus und bleibt in ihrem/seinem Schmerz hängen. Auch das wird mit Liebe gehalten und begleitet, eine mögliche Intervention kommt von der Natur oder Gruppe, nicht von ihr. Wir sind hier auf keinem Persönlichkeitsseminar.
Grundsätzlich sieht sie das Kostbare, Einzigartige und Wertvolle in jedem Menschen. Sie ist mit großer Liebe da. Und klaren Grenzen, die klar und wertschätzend kommuniziert werden. Sie fragt zum Beispiel jeden Morgen die Befindlichkeit ab. Wie geht es, wie hast Du geschlafen, was ist gerade da bei Dir? Diese Fragen mögen bei einer bunt zusammengewürfelten Reisegruppe ungewohnt sein. Doch sie sind im Grunde harmlos. Jeder kann sie bei gutem Willen beantworten – und niemand muss sie beantworten. Wenn Menschen diese Freiheit spüren, erzählen sie gerne von sich. Dadurch entsteht ein gemeinsamer Raum. Wenn wir an einem besonderen Ort waren, fragt Veronika: wie geht es Dir jetzt? Was von deiner Wahrnehmung magst du mit uns teilen? Es geht um das Gesehen werden und dann um das wirkliche Zuhören. Die sich wiederholenden Fragen und das ehrliche Zuhören holt die Menschen in das Miteinander. Wir erfahren etwas von einander und dadurch entstehen und vertiefen sich Beziehungen. Die Menschen immer wieder liebevoll abholen – darum geht es! Gibt es Unklarheiten oder plötzliche Veränderungen, wird die Meinung jeder teilnehmenden Person in den Entscheidungsprozess mit einbezogen. Konsent-Prinzip im Schnellformat. So kommen wir gut als Gruppe ans Ende der erfahrungsreichen Woche.
Auch diesen Sommer ist es wieder mehrfach geglückt. Die Leute waren berührt und sind beseelt in ihren jeweiligen Alltag gereist – mit der ausgesprochenen Absicht, mit den heterogenen Freundinnen- und Arbeitsgruppen zuhause ein wenig „anders“ umzugehen.
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Einfach selbst ausprobieren!
Heterogene Gruppe, schwierige Situation? „Menschen abholen“ einfach einmal selbst ausprobieren: Befindlichkeit abfragen, Bedürfnisse abfragen, Ideen für das gemeinsame Gelingen abfragen, …