Wir müssen reden
Wie wollen wir leben – eine erste Gesprächsrunde
Im Februar 2025 wussten wir noch nicht, was wir genau mit unserem Projekt wollten. Aber wir wussten: Wir müssen reden. Wenn wir das gute Leben für alle wollen, dann müssen wir „alle“ an einen Tisch bringen. Das war mein erster Versuch (Harald Koisser am 10. Februar 2025)
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Ein Dutzend Leute haben sich online getroffen. Ich habe einige Aussagen protokolliert. Eingestiegen bin ich mit der Frage: „Wie wollen wir leben? Ist diese Frage überhaupt relevant?“
Antwort: Ja, und wie! Der Mensch kann als soziales Wesen nicht alleine leben. Er braucht die anderen. Er kann sich der Frage nach dem „wir“ nicht entziehen.
Hier die Themenfelder, die sich ergeben haben und einige Antworten:
Ich – Wir – die anderen
Jeder kann die Frage beantworten „Wie will ICH leben?“. Aber es gibt eben auch ein „wir“, beginnend bei einer Partnerschaft. Dann gibt es Familie, Freunde, berufliches Umfeld, …; das Miteinander in unterschiedlichen Bereichen schafft Spannungen, aber auch Lebendigkeit. Die Frage „Wie wollen WIR miteinander umgehen, das Leben gestalten, Dinge unter uns aufteilen, …?“ muss in jedem Menschenleben gelöst werden.
Und es gibt umgangssprachlich „die anderen.“ Das sind all jene, die nicht zum eigenen Bekanntenkreis gehören, oder überhaupt weit weg von der eigenen Lebenswirklichkeit existieren. Aufgrund der globalisierten Welt, sind „die anderen“ eine Illusion. Es gibt sie nicht (mehr). Es gibt nur ein globales Wir.
Praktisch erleben wir allerdings gerade eine Politik, welche die Unterscheidung in „wir“ und die „anderen“ bewusst betont. Die Politik ist in diesem Sinne übergriffig, weil dadurch das Miteinander und die globale Handlungsfähigkeit gestört werden. „Die Hölle, das sind die anderen“ (Sartre). Die anderen werden bewusst benutzt, um sie als Hölle darzustellen = ihnen Verantwortung für Probleme umzuhängen.
Ich und Ich
Die Lösung der Frage „wie wollen wir leben?“ beginnt beim Individuum selbst. Zitate: „Viele Leute sind im Kopf und nehmen ihren Körper nicht wahr; nur wenn ich zuhause bei mir bin, kann ich jemanden einladen und in Kontakt mit anderen gehen.“
„Wir lernen, dass Mangel herrscht und wir dadurch in die Konkurrenz gehen müssen. Wir müssen um Ressourcen kämpfen. Wenn ich mit meinen Klienten diesen Glaubenssatz aufweiche, dann geht es allen besser und sie bleiben genau so erfolgreich wie vorher.“ Erfolg braucht keine Konkurrenz.
„Es braucht Bewusstheit.“ „Mit einer Taschenlampe in seinem eigenen Keller das Dunkle ausleuchten.“
Wenn das gelingt, ist es ein Beitrag zum guten leben für alle.
Die Bubble
Die Welt besteht aus Bubbles, aus verschiedenen Mengen und die bilden dann Schnittmengen. Die Bubble ist höchst notwendig. Sie ist ein Übungsplatz, wo wir uns erproben können. Nur wenn ich dort gestärkt bin, kann ich hinaus gehen. Wenn ich geschwächt werde, kann ich in meiner Bubble auftanken. Wir müssen daher für gute Bubbles (nährende Kreise) sorgen.
Was braucht es für ein gutes Leben?
- Willkommen sein, auch mit einer anderen Meinung
- Sich seinen eigenen Wohlfühlraum schaffen, damit man dann anderen begegnen (und sie sogar unterstützen) kann
- Heile, intakte Natur (weil wir schließlich Wesen der Natur sind)
- Von anderen wahrgenommen und gehört werden
- Gefragt werden, an Entscheidungen teilnehmen dürfen (gilt für Partnerschaft bis hinauf zur Weltgemeinschaft); es geht nicht darum, überall entscheiden zu müssen; es geht darum teilhaben zu können. [Auf wen in einer Partnerschaft darf ich nicht hören? Wen darf ich überrollen? Gibt es einen Anspruch darauf, jemanden zu ignorieren und zu überrollen? Kann man ein gutes Leben für alle haben, wenn ein Teil dieser „allen“ überrollt wird?]
- Immer die Frage bedenken/stellen und gestellt bekommen: Wer bist du? Was brauchst du? (wie) willst du dich einbringen?
- Liebesfähig sein und bleiben können = handlungsfähig bleiben
Anmerkung und Frage zu „ich und ich“:
Viele sehen die Notwendigkeit, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, nicht und/oder sind überzeugt, dass sie ohnehin erleuchtet sind und „die Wahrheit“ kennen.
Kann das gute Leben für alle gelingen, wenn ein gewisser Teil der Leute nicht bei sich selbst beginnen möchte und sich an Normen, eigene Gewissheiten, … klammert? Wenn ja, wie kann es gelingen?
Antworten:
Angelika: Ich bin überzeugt, dass es gelingen kann, ja es muss sogar gelingen, denn sonst werden wir es als Menschheit nicht schaffen. Es wird immer Menschen geben, die die Verantwortung lieber abgeben und nicht bei sich selbst beginnen wollen. In dem Fall sind, meiner Meinung nach, genau die Dinge not-wendig, die wir heute zusammengetragen haben: Respektvoller Umgang (in dem Fall besonders mit den Menschen, die das Problem immer nur in den anderen sehen), Kraft und Ruhe tanken in meiner Bubble, damit ich zu diesem respektvollen Umgang überhaupt in der Lage bin und Mut immer wieder auf Menschen zuzugehen, auch wenn sie ganz anders ticken. Und immer wieder LIEBEN…..Auf der Autobahn stand heute als Info von der Asfinag: „Liebe kennt kein Limit, Tempo schon“ ….find ich grad sehr passend zu unseren Überlegungen.
Harald: Es müssen nicht alle am selben Bewusstseinslevel sein. Wichtig ist, dass alle freundlich, verbunden, zugewandt bleiben. Es gibt rote Linien, die nicht überschritten werden dürfen, damit das Gemeinsame gewahrt bleibt und gelingen kann. Diese roten Linien kennen die allerallermeisten Leute instinktiv. Zumindest bis vor Kurzem war es so. Das ändert sich gerade. Wenn Leute, die die „Wahrheit“ kennen, mit Sprengstoffgürteln bei der Tür hereinkommen, ist Schluss mit lustig. Da hilft auch Gewaltfreie Kommunikation nicht mehr.
Wolfgang: Es gibt eine kritische Masse. Sobald sie überschritten ist, fallen jene, die sich nicht mit sich auseinandersetzen oder meinen, schon allwissend und erleuchtet zu sein, nicht mehr ins Gewicht. Zu diesen „Erleuchteten“ fällt mir ein Spruch des Burgherrn von Strechau ein (Dr. Bösch), den er mir beim Abschied – „für eine gute Zusammenarbeit“ – mitgegeben hat: „Menschen, die keine Fragen stellen, sind mir suspekt!“.
Birgit: Ich finde nicht, dass jeder alles hinterfragen MUSS, ich kenne gerade ältere Menschen, die vielleicht einfach leben, aber sehr in sich ruhen und uns alle ein starkes Vorbild sein können.
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Foto von Redd Francisco auf Unsplash
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Die Frage „wie wollen wir leben?“ ist sehr groß. Und doch stellt sie sich im Kleinen ununterbrochen: Wie wollen wir uns ernähren? Wie wollen wir unsere Partnerschaft gestalten? Wie wollen wir unsere Kinder erziehen? …