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Wie wollen wir wirtschaften?

Über die Schulter schauen

Wir müssen kooperieren, sonst wird das nicht mit der Wirtschaft. Der Wiener Unternehmer Michael P. Walter  zeigt, wie sich KMU ganz einbfach sehr viel Wissen holen können.

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Du warst jetzt 42 Jahre lang Inhaber einer Firma, die Du jetzt an die vierte Generation übergeben hast, warst politisch engagiert. Sag mir: was braucht es zum guten Wirtschaften.

Michael Walter: Den Willen zur Kooperation! Wenn wir nicht lernen, aus diesem egoistischen, persönlichen, egozentrierten Unternehmerdenken rauszukommen, dann wird das nichts mit dem Wirtschaften. Wir müssen zum anderen gehen und fragen: was können wir denn gemeinsam tun?

Ich dachte, Kooperation gehört zum Unternehmertum.

Kooperation heißt für mich nicht, einen Einkaufsverband zu gründen. Ich meine damit, dass man wirklich füreinander da ist und voneinander lernen kann. In der Gruppe der Fachhändler, in der Gruppe der Gewerbetreibenden, egal wo – da haben doch alle dieselben Probleme. Und es ist vollkommen egal, ob du Weißware und Braunware verkaufst oder Berufskleidung, oder ob du ein Optiker bist. Ich will wissen: wie macht Ihr das mit den Mitarbeitern? Wie macht Ihr das mit der Digitalisierung? Wie reagiert Ihr auf die Inflation? Und natürlich gerne meine Ansätze teilen.

Also quer über die Branchen hinweg. Wie kann das gelingen?

Meiner Ansicht nach ziemlich einfach. Man formt eine Gruppe von Unternehmen, vier, fünf, vielleicht bis zu zehn, die ungefähr in einer ähnlichen Struktur sind. Nicht unmittelbar in derselben Branche, sondern in derselben Struktur! Das ist wichtig: weil ein EPU und ein KMU wie wir mit 28 Mitarbeitern haben andere Unternehmensprobleme.

Und dann redet Ihr miteinander?

Viel besser: mindestens einmal im Jahr tauschen wir Mitarbeiter. Oder sagen wir einmal so: einige Mitarbeitende vom Optiker kommen zu uns und sehen, wie es bei uns im Textilhandel zugeht. Dafür schicke ich meine Leute zum Optiker oder in die kooperierende Buchhandlung. Da erleben die Mitarbeitenden einmal zwei drei Tage lang die Alltagsprobleme bei anderen. Das ist gut für alle.

Also geht es Dir nicht nur primär um den Austausch auf Unternehmerebene, sondern um etwas Strukturelles.

Ich nenne es mal generell den Blick über die Schulter. Man lernt doch so viel dabei, wenn man jemandem zuschauen darf und der erklärt, was er macht. Oder jemand sieht, wie ich z.B. mit dem Excel umgehe, und der sagt dann: he, das ist viel zu kompliziert. Mach das doch so! Da geht es nicht um den Austausch von Unternehmensgeheimnissen – sofern es so etwas überhaupt noch gibt -, sondern um Hilfestellung. Es kann mir schon gerne ein anderer Unternehmer auch sagen, dass die Art, wie ich mit den offenen Posten umgehen, nicht optimal ist. Der darf mir da auch über die Schulter schauen.

Die Idee ist sehr reizvoll. Eine Art permanentes Coaching und Learning.

Ich wäre in Sachen wöchentliche Mitarbeiterbesprechung wahrscheinlich viel schneller viel weiter gekommen mit Support von anderen Firmen. Früher habe ich das so gemacht, dass ich in die Mitarbeiterinnen-Runde gefragt habe: was sind die Anliegen? Dann hat fast immer niemand was gesagt und ich habe meine vorbereiteten sieben Punkten hervorgeholt. Nach 45 Minuten war der Sologesang vorbei. Heute weiß ich, dass Mitarbeiterbesprechungen produktiv anders gehen. Warum muss ich für alles externe Coaches beauftragen? Wenn da ein einziges Mal eine andere wache Firmenchefin dabeigesessen wäre und mir im Anschluss an das Mitarbeitermeeting ein konstruktives Feedback gegeben hätte, wäre das einfacher gewesen.

Also direkter, ehrlicher Austausch unter Unternehmern?

Wir KMU werden mittelfristig nur eine Chance haben, wenn wir uns gegenseitig austauschen. Was für eine Möglichkeit das wäre, wenn Junge die Chance bekommen, während ihrer Anstellung in einem Betrieb auch in andere Branchen hineinschlüpfen zu können. Ehrlich gesagt wir haben in der Wirtschaft nichts davon, wenn die Leute auf Unis gehen, wo Theoretiker erzählen, wie die Welt ausschaut. Das stimmt ja vieles nicht!

Wird Kooperation gelingen?

Ich wollte vor vielen Jahren mit einem Partnerbetrieb derselben Branche kooperieren. Er war im Westen von Österreich tätig, ich im Osten. Er meinte, mit einem Konkurrenten macht er das nicht. Wenn wir die anderen immer als Feinde sehen, tja dann sind wir verloren.

Der Walter Berufskleidung GmbH
Landgutgasse 14 + 15, 1100 Wien
+43 1 – 604 42 31
office@derwalter.at
Webseite

Michael P. Walter hat im Jahr 2025 die Geschäftsführung an Sohn Alexander übergeben der das Unternehmen nun mit seiner Frau Anna führt. Foto oben: Die Walters – Michel und Alexander

Und was meinst Du?

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